Projekte | 18.02.2026

Nachhaltig mit Wasserspeichern aus der Vorfertigung

© Alfred Tomesch GmbH & Co. KG
Beim Neubau der Alfred Tomesch GmbH & Co. KG in Kaufbeuren-Germaringen stand an ein Thema im Fokus: Wasser. Das 1919 gegründete Unternehmen fertigt Kunststoffteile für die Spielwarenbranche, vor allem Spielwürfel. Ein zentrales Verfahren ist das Präzisionsschleifen, für das große Mengen Wasser benötigt werden. Deshalb entschied sich der Bauherr für die Integration eines Regenwassermanagementsystems, das Betriebswasser für den Schleifprozess bereitstellt und den Verbrauch von Trinkwasser deutlich reduziert.
Text: Dorothea Müller

Kern der Anlage ist ein modular aufgebautes Speichersystem aus Betonfertigteilen. Es besteht aus mehreren in Reihe geschalteten Brauchwasserspeichern für ein jederzeit flexibel anpassbares Gesamtspeichervolumen. Das Regenwasser wird über die standorteigenen Dachflächen gesammelt, gefiltert und in den Speichern vorgehalten. Von dort versorgt es auf Abruf die Schleifmaschinen und kommt darüber hinaus auch für Toilettenspülungen, andere Reinigungsprozesse und die Außenbewässerung zum Einsatz. Bei Bedarf wird automatisch Trinkwasser nachgespeist. Umgekehrt kann überschüssiges Regenwasser kontrolliert in einen eigenen Regenwasserkanal abgeführt werden, um die Kanalisation zu entlasten.

Luftaufnahme des Neubaus der Alfred Tomesch GmbH & Co. KG | © Alfred Tomesch GmbH & Co. KG

Hohe Anforderungen an Technik und Material

Die industrielle Nutzung von Regenwasser als Schleifmedium stellt höchste Anforderungen an die Wasserqualität und Betriebssicherheit. Entsprechend hoch sind auch die technischen Anforderungen. Beispiel Partikelkonzentration: um diese im aufgefangenen Regenwasser auf das benötigte Mindestmaß zu reduzieren, sind eine Vorfilterung und ein systeminterner Sedimentationsprozess essenziell. Für diesen haben die Planer vom verantwortlichen Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Stefan Dopfner einen großzügig dimensionierten Schlammfang konzipiert. Realisiert wurde er bei der Hegerma Werk GmbH & Co. KG. Das Unternehmen mit Sitz im Allgäu ist spezialisiert auf die Produktion hochwertiger Fertigbetonbauteile, war von Beginn an eng in das Projekt eingebunden und hat neben dem Schlammfang auch die Brauchwasserspeicher hergestellt.

Die Wahl fiel bewusst auf Stahlbetonfertigteile. Diese sind mechanisch hoch belastbar, temperatur- und chemikalienbeständig und gewährleisten auch bei Grundwasserströmung eine hohe statische Sicherheit. Die Speicher haben ein Nutzvolumen von jeweils 8.200 Litern. Jedes der monolithisch gefertigten Speichermodule verfügt über werksseitig integrierte Zu- und Ablaufstutzen sowie Revisionsöffnungen. Durch ihre robuste Bauweise eignen sich die Speicher für einen jahrzehntelangen Betrieb, ohne dass mit strukturellen Veränderungen zu rechnen ist.

Die Baugrube mit Sedimentationsschächten | © Alfred Tomesch GmbH & Co. KG

Vorfertigung als Effizienzvorteil beim Bau

Der Einbau der Speicher war noch vor Beginn der Hochbauarbeiten komplett abgeschlossen. Die Anlieferung und das Versetzen der tonnenschweren Elemente erfolgten präzise per LKW und Ladekran. Die industrielle Vorfertigung war damit der Schlüssel für eine schnelle und zeitlich eng getaktete Montage vor Ort. Dies hat die Bauzeit nachhaltig reduziert und Risiken auf der Baustelle minimiert. Gleichzeitig hat die Vorfertigung für Planungssicherheit im Projekt gesorgt und war Garant für die hohe Ausführungsqualität der Betonbaumodule.

Und die Ressourcenersparnis beim Trinkwasser? Erfahrungsdaten des Bundesverbandes für Betriebs- und Regenwasser e.V. (fbr) zeigen, dass sich mit Anlagen in dieser Größenordnung bis zu 70 Prozent Trinkwasser einsparen lassen. Das 2024 neu in Betrieb genommene Wassermanagementsystem der Alfred Tomesch GmbH & Co. KG hat sich als noch effektiver erwiesen. Dem Unternehmen ist es damit gelungen, das bislang benötigte Frischwasser im Schleifprozess vollständig zu ersetzen. Noch ein Vorteil für die Umwelt: Das neue System hat auch die bei Starkregen bis dahin auftretenden Abflussspitzen und Stoffeinträge in Gewässer massiv reduziert.

Einbau der Sedimentationsschächte in monolithischer Rundbauweise | © Alfred Tomesch GmbH & Co. KG

Fazit

Mit dem Neubau hat das Traditionsunternehmen ein Regenwassermanagementsystem realisiert, das technische Effizienz, wirtschaftliche Vorteile und ökologische Verantwortung vereint. Die Beton-Brauchwasserspeicher stellen zusammen mit dem Schlammfangmodulen aus der Vorfertigung eine langlebige und belastbare Gesamtlösung dar, die sowohl den Schleifwasserbedarf in der Produktion als auch weitere Betriebswasseranwendungen zuverlässig abdeckt.

Bautafel
Neubau Alfred Tomesch GmbH & Co.KG, Kaufbeuren – Germaringen
Bauherr: Weissbarth Immo GmbH & Co. KG
Planung: Dipl.-Ing. Stefan Dopfer
Bauunternehmen: Paul Bauunternehmen GmbH
Lieferant: Hegerma Werk GmbH & Co. KG
Filtersysteme: 3P Technik Filtersysteme GmbH
Anlagenteile: Brauchwasserspeicher Typ 900 (8.200 l), Schlammfang Typ 900 (9.000 l)
Nutzung: Schleifwasser, Toilettenspülung, Reinigungszwecke, Außenbewässerung
Baujahr: 2024

Nachhaltigkeit durch Betonfertigteile

  • Vorgefertigte, monolithische Brauchwasserspeicher aus Stahlbeton
  • Mit hoher Lebensdauer von über 40 Jahren bei minimalem Wartungsaufwand
  • Kurze Bauzeiten und hohe Qualität dank Industrieller Vorfertigung
  • Flexible Erweiterbarkeit durch nachrüstbare Module
  • Reduktion von Trinkwasserverbrauch, Betriebskosten und Umweltbelastung