Die Vielfalt an Betonrohren ist groß. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:
- Unbewehrten Betonrohren: Sie eignen sich für geringere Belastungen und werden häufig in der Drainage oder für Regenwasserkanäle eingesetzt. Ihre Tragfähigkeit ist begrenzt, dafür sind sie günstiger in der Herstellung.
- Stahlbetonrohren: Durch die Einbettung von Stahlkörben oder Stahlmatten erhalten diese Rohre eine deutlich höhere Biegezug- und Druckfestigkeit. Sie kommen in tiefer liegenden oder stark belasteten Bereichen zum Einsatz, etwa unter Straßen oder in Industrieanlagen.
- Spannbetonrohren: Bei besonders hohen Druckanforderungen, zum Beispiel bei Druckwasserleitungen, werden Spanndrähte verwendet, die den Beton dauerhaft unter Druckspannung halten und so eine höhere Belastungskapazität ermöglichen.
Darüber hinaus werden zwei Arten der Verlegung unterschieden:
- Betonrohre für den offenen Einbau: Der Einbau von Betonrohren erfolgt nach den Anforderungen der DIN EN 1610 für den Einbau im offenen Rohrgraben. Zunächst wird ein Graben ausgehoben und gegen Abrutschen gesichert. Anschließend entsteht ein flaches Sand- oder Kiesbett, auf dem die Rohre verbunden und waagerecht ausgerichtet werden. Abschließend wird der Graben schichtweise verfüllt und der Boden sorgfältig verdichtet. Die Beweglichkeit der Entwässerungssysteme wird durch den Einbau flexibler Verbindungen erreicht, die damit Setzungen und andere Bodenbewegungen aufnehmen können. Einstiegs- oder Inspektionsschächte sowie Bauwerke werden gelenkig angeschlossen. Damit wird gewährleistet, dass alle zusätzlichen Beanspruchungen durch z. B. ungleichmäßiges Setzen vermieden werden.
- Betonrohre für den geschlossenen Einbau: Die unterirdische Bauweise bietet viele wirtschaftliche, umweltrelevante und sozialr Vorteile. Einsatzmöglichkeiten sind:
- Erschließung von Neubaugebieten
- Erneuerung von Bestand
- Hausanschlüsse
- Unterquerung von Straßen/Autobahnen, Bahnanlagen, Gewässern
- Unterquerung von Baudenkmälern, Gebäudeanlagen
- Querung von Wassergewinnungsgebieten
Die geschlossene Bauweise folgt dem Prinzip Maulwurf: Unten wird gearbeitet – oben sieht man nichts. Die Vorteile sind vielfältig: Während unter der Erdoberfläche Betonvortriebsrohre für die Abwasserentsorgung eingebaut werden, geht oben das Leben nahezu ungestört weiter. Abgesehen von Start- und Zielbaugruben – gibt es an der Oberfläche entlang der Einbaustrecke keine nennenswerten Einschränkungen. So bleiben z. B. Verkehrswege von Staus, Geschäfte von Umsatzrückgängen und Städte von Großbaustellen verschont. Lärm und Schmutz werden weitgehend vermieden, CO2-Emissionen und Feinstaub deutlich minimiert, Straßen nicht aufgerissen, Flora und Fauna geschützt. Kurz: Wirtschaftliche Einbußen und Umweltbelastungen sind im Vergleich zur offenen Bauweise auf ein Mindestmaß reduziert.
Gängige Vortriebstechnologien sind:
– Für den Neubau: Pilotrohrvortrieb mit Bodenverdrängung oder Bodenentnahme, Mikrotunnelbau mit Schnecken- oder Spülförderung, Bemannter Rohrvortrieb.
– Für die Erneuerung eignen sich das Pipe-Eating-Verfahren oder auch das Berstlining.
Vortriebrohre aus Betonfertigteilen sind durch ihre Steifigkeit und Druckfestigkeit für den Einsatz der geschlossenen Bauweise hervorragend geeignet.
In Deutschland regeln die DIN-Normen (insbesondere DIN EN 1916 und DIN V 1201) die Anforderungen an Betonrohre und Formstücke für Abwasserleitungen. Diese Normen definieren Festigkeitsklassen, Prüfverfahren und Maßtoleranzen, die sicherstellen, dass die Rohre für den vorgesehenen Einsatzzweck geeignet sind.